Logo oben neu1

Der Newsletter | Juli 2019

ATD 2019  – Wir waren da! 

 atd2019

Die „International Conference & Exposition“ der Association for Talent Development (ATD): Dort schmieden Experten die Zukunft für Training, Weiterbildung, Personalentwicklung und Human Resources. Besonders für Trainer und Weiterbildner wird sich vieles verändern. Sie werden noch stärker zu Coachs und Beratern. Job Enrichment ist das Stichwort. Unsere Kollegin Miriam Gah war für Neuland Development & Training dabei – und erläutert, wie sich Trainer optimal vorbereiten.


Good morning from America! Da stehe ich vor meinem ersten Kongresstag. Bin eine von 11.000 Besuchern. Die Organisatoren des Mammut-Events machen es mir leicht. „Orientation“ heißt die erste Veranstaltung auf dem Weltkongress für Trainer, Personalentwickler, Coaches, HR-Verantwortliche und andere Weiterbildner. Und diese „Orientation“  ist ausgesprochen hilfreich. Je Time-Slot stehen zwanzig und mehr große Vorträge oder Workshops zur Wahl – überwältigend! Jeder Programmpunkt verspricht mir Mehrwert; ich bin mir sicher, dass man überall etwas Neues oder Interessantes mitnehmen kann. Am Ende – mit Hilfe der „Orientation“ – klappt es: Ich stelle mir mein eigenes spannendes Programm zusammen.

Worüber man auf dem Kongress in Washington viel spricht: Die Rolle von Trainern und Weiterbildnern befindet sich in einem fundamentalen Wandel. Trainer und Weiterbildner werden noch stärker zu Coachs und Beratern. Job Enrichment: Ihre Rolle wird umfassender, ihre Arbeit vielfältiger, Verantwortung und Gestaltungsspielräume wachsen.

Was genau ist damit gemeint? Die Arbeit von Trainern erschöpft sich nicht mehr darin, einen didaktisch geschliffenen Lernprozess zu entwickeln und ihn in einer guten Seminarveranstaltung umzusetzen. Trainer der Zukunft denken über ihre Seminarveranstaltungen hinaus. Sie tragen dazu bei, die Strategie des Unternehmens zu verwirklichen – und zwar durch das Etablieren von nachhaltigen, langfristigen Lernprozessen „learning journeys“ mithilfe ihres Didaktikwissens und ihrer Seminarerfahrungen. Das bedeutet: Trainer wachsen in die Beratung von Unternehmen und das individuelle Coaching von Mitarbeitenden hinein. Statt lediglich ihrer Seminarveranstaltung nehmen Sie die Organsrisationsentwicklung in den Blick: „Development is different from training“, heißt es bei den Amerikanern.

Damit kommen neue Herausforderungen auf Trainer zu. Sie müssen lernen, langfristig zu denken – nicht nur an das Training, das direkt vor ihnen liegt. Sie müssen die Trends der jeweiligen Unternehmen kennen. Sie müssen das System der Organisation verstehen. Wo liegen die „major gaps“? Wo steht das Unternehmen, wo will es hin – und wie können Trainer mithelfen, diese „gaps“ zu füllen? Sie brauchen neue Kompetenzen für Coaching und Beratung.

atd2019 Miriam

Unsere amerikanischen Kollegen sehen in diesem Wandel eine große Chance. Sie sind geradezu elektrisiert davon – und ermutigen sich gegenseitig: Bewege Dich selbst, damit Du andere bewegen kannst. Nimm Deine Teilnehmer mit, wenn sich das Unternehmen wandelt und weiterentwickelt. Lass Deine Teilnehmer Deinen Enthusiasmus und Deine Leidenschaft für Deinen Beruf spüren. Da ist niemand, der diesen Wandel als Bürde empfindet. Jeder scheint sich auf die Herausforderungen und die persönliche Weiterentwicklung zu freuen. Immer wieder werde ich mit der typisch amerikanischen Freundlichkeit in Gespräche einbezogen. Ein ständiger Gedankenaustausch. Man teilt großzügig Erfahrung und Know-how. Das steckt an!

In vielen Vorträgen und Gesprächen geht um die innere Einstellung zum eigenen Beruf. Wer sich als Trainer wandelt, sollte an seiner eigenen Einstellung ansetzen und zu einer positiven Haltung finden. „Positive Priming“ nennt sich dieser Trend. Es geht darum, bei sich und seinen Teilnehmern eine positive Haltung zum Lernen, zu den Lernprozessen und den Inhalten zu bewirken. Dazu gehören beispielsweise Reflektionsphasen in Seminaren. Was löst das Gelernte bei den Teilnehmern aus, welche Gefühle weckt es? Und für den Trainer selbst: Was löst das Training in mir selbst aus? Wie kann ich an meiner positiven Haltung arbeiten?

So sehr sich unsere amerikanischen Kollegen für ihre Arbeit begeistern, so sehr legen sie Wert auf authentische Begeisterung. Die positive Haltung soll wahrhaftig sein. Nur so kann der Trainer seine Arbeit wirklich als Dienst für andere sehen, den er mit Leidenschaft erbringt. Sei leidenschaftlich in Deinem Beruf, diene anderen – doch halte Dein Ego zurück! Darüber spricht die große Talkmasterin Oprah Winfrey (es ist beeindruckend, sie einmal live zu erleben). Auch andere bekannte US-Keynote-Speaker setzen den Akzent auf dieses Thema. Ihre Botschaft: Folge Deinem Bauchgefühl, brich aus dem Mainstream aus und geh Deinen Weg. Sieh zu, dass Du ein gutes Gefühl dabei hast!

Natürlich ist auch das Thema Agilität ein großes Stichwort auf dem Kongress – allerdings etwas anders als vermutet. Die Idee: Mitarbeiter müssen sich ständig auf neue Herausforderungen vorbereiten. Wir wissen nicht, welche Veränderungen morgen anstehen – und doch müssen Personalentwickler ihre Strategie an dieses „Morgen“ anpassen. „Preparing people for jobs we don’t know yet“, dies ist die Aufgabe. Sicher ist: Die Kultur von Unternehmen und des Lernens spielt eine wichtige Rolle dabei, Mitarbeiter für eine unsichere Zukunft vorzubereiten. Dies wird für alle, die in Personalentwicklung, Training und HR arbeiten, eine der ganz großen Herausforderungen werden.

Auch habe ich über die Zukunft von Arbeit und Weiterbildung viel in meinem Notizbuch festgehalten. Zum Beispiel: Social Influencer in Unternehmen, also Personen, die Mitarbeiter oder Kollegen bei Veränderungen „mitnehmen“. Sie auf Veränderungen und Herausforderungen vorbereiten, als Vorbild vorausgehen und andere „pushen“. Die Frage eines Referenten: Weshalb gibt es kaum Social Influencer aus hohen Hierarchiestufen? Mögen solche Influencer aus den Top-Hierarchien selbst keine „digital natives“ sein, ihre Nahbarkeit und ihre Bereitschaft, anders „herüberzukommen“ dürfte besonders bei der „Generation Z“ gut ankommen.

Generell das Thema Generationswechsel: Die junge Generation legt wenig Wert auf die üblichen Karrierekanäle. Junge Leute probieren vieles aus und wollen die Welt verändern. Statt von Arbeit sprechen sie eher von Engagement, was die Leidenschaft einschließt für das, was sie tun. So kommt es, dass Mittdreißiger häufig schon einiges ausprobiert und in mehreren Jobs gearbeitet haben. Ihre Lebensläufe sind längst nicht mehr so gradlinig wie früher. Deshalb wird es Zeit, dass wir uns mit diesen fragmentiert wirkenden Lebensläufen befassen. „Es fehlt beim Recruiting noch an Wertschätzung für diese neuen Lebensläufe“, erklärte eine Referentin, „wir müssen uns daran gewöhnen, dass Lebensläufe zunehmend anders aussehen als wir es gewohnt sind. Viele zunächst unscheinbare Erfahrungen sind in ihnen gebündelt, die wir nutzen können.“

Die ATD-Organisatoren der „International Conference & Exposition“ haben ganze Arbeit geleistet! Ihr Programm war in keiner Minute langweilig. Ich habe keinen Referenten gesehen, der bei einem Frontalvortrag nur Folien schiebt. Jeder hat Neugier auf sein Thema geweckt und vor allem das Publikum gekonnt einbezogen. Und die Leidenschaft für den Kongress hielt sich bis zur letzten Stunde. Am Abschlusstag hatte ich einen Slot bei einem Coach ergattert. Ich war die letzte auf seiner Liste – und trotzdem: Von Ermüdung keine Spur. Aus den 45 Minuten, die wir geplant hatten, wurden 1,5 Stunden. Sein Interesse an dem, was ich mit ihm besprechen wollte, war echt – und er bedankte sich am Ende für die Impulse, die ich ihm geben konnte. That’s the American way: Jeder gibt, jeder nimmt. Wir lernen gemeinsam.

 

 


 

MiriamGah Web2

Miriam Gah trainiert unsere Kunden international zu den Themen Train-the-Trainer,
Innovation und Visualisierung.

 

 

 Herzlichst 

Ihr Team von Neuland Development & Training


 

 

Die Bereitstellung unserer Dienste wird durch Cookies optimiert. Durch Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.