Achtsamkeit ist mehr!

Den Blick weiten:
Individuum – Team – Organisation

Bei einem meiner letzten Einkäufe warf ich im Vorübergehen einen Blick auf die Massen verschiedenster Zeitschriften, die um die Aufmerksamkeit interessierter Leser buhlten.
Nicht wirklich überrascht stellte ich fest, dass in der „Wellness-Ecke“, eingerahmt von Yoga- und Selbsthilfe-Magazinen, nun auch eines zum Thema Achtsamkeit zu finden ist. Spätestens da wurde mir bewusst: Achtsamkeit ist nun wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Als jemand, der selbst eine regelmäßige Meditationspraxis pflegt und so die wissenschaftlich immer besser belegten positiven Auswirkungen von Achtsamkeit erleben darf, stimmt mich diese Erkenntnis natürlich zuversichtlich. Auch, weil ich als Trainer auf fast täglicher Basis mit Menschen zu tun habe, die einerseits ihre Arbeit lieben, andererseits – oder vielleicht gerade deswegen? – aber auch vermehrt über arbeitsbedingten Stress klagen.

80 Prozent der deutschen Beschäftigten

sind es mittlerweile, die angeben, dass Zeitdruck, hohe Arbeitsbelastung und ein unangenehmes Arbeitsklima ihnen den Spaß an ihrer Arbeit nehmen (1).

Kein Wunder also, dass uns bei Neuland Development & Training immer mehr Anfragen von Kund*innen erreichen, die Achtsamkeit als Grundkompetenz der gesunden Selbstführung in ihren Unternehmen verankern wollen. Nachdem ich mittlerweile hunderte von Menschen dabei begleitet habe, persönliche Wege zu einer bewussteren, gegenwärtigeren und weniger wertenden Haltung gegenüber sich selbst und dem Leben, das natürlich ihren Beruf mit einschließt, zu finden, habe ich eines gelernt:

So wichtig es auch ist, Achtsamkeit zunächst auf der individuellen Ebene zu betrachten, liegt der wahre Schlüssel zu mehr Wohlbefinden, Wachstum und Kreativität für Unternehmen in der Ausweitung von Achtsamkeit auf die Team- und Organisationsebene.

Um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen: Mein ehemaliger Kommilitone Dr. Jakob Stollberger, mittlerweile Assistant Professor an der Freien Universität Amsterdam, hat mit seinen Forschungspartnern jüngst einen Artikel im renommierten Journal of Applied Psychology mit dem schönen Titel „Sharing is caring“ veröffentlicht (2).

Auch an unserem Team-Friday haben wir mit den Erkenntnissen von „Sharing is caring“ gearbeitet.

Positive Ressourcenspirale

Die Ergebnisse ihrer Studie zeigen, dass Mitarbeitende, die ihre Kolleg*innen auf informellem Weg unterstützen – zum Beispiel, indem sie Aufgaben übernehmen, so dass Betroffene mehr Zeit haben, sich um ein krankes Kind zu kümmern – eine positive Ressourcenspirale in Gang setzen. Diese führt schließlich selbst bei Partner*innen zu mehr positiven Gefühlen, Arbeitszufriedenheit und Kreativität. Dieser Effekt ist umso stärker, je mitfühlender und liebevoller die Partner*innen miteinander umgehen. Anstatt diese Arten der Unterstützung zu formalisieren, empfehlen die Autoren, dass Unternehmen die Entstehung informeller Unterstützungsnetzwerke zwischen Mitarbeitenden fördern.

Achtsamkeit ist Herzsamkeit

Meiner Meinung nach kann auch hier Achtsamkeit eine entscheidende Rolle spielen; nicht nur, indem sie Menschen ermöglicht, ein feineres Gespür für die Befindlichkeit ihrer Kolleg*innen zu entwickeln, sondern auch, indem sie genau den geteilten, vertrauensvollen Handlungsraum schafft, den es braucht, damit Teammitglieder gemeinsam Lösungen im Sinne des Teamzusammenhalts finden können. An diesem Beispiel wird ebenfalls sehr deutlich, dass Achtsamkeit weit mehr ist als kühle, emotionslose Aufmerksamkeit – sie ist, wie Jon Kabat-Zinn, der Begründer des international erfolgreichsten Achtsamkeitsprogramms MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) betont, immer auch eine Herzsamkeit.

Bei Neuland Development & Training ist es uns wichtig, unseren Kund*innen auf der Basis eigener Erfahrungen mit den Themen, die wir vermitteln, begegnen zu können. Das gilt auch für Achtsamkeit. Deswegen haben mittlerweile fast alle Mitarbeitenden an einem achtwöchigen MBSR-Kurs teilgenommen und auch unsere wöchentliche interne Weiterbildungsveranstaltung „Level-up“ stand zu Beginn diesen Jahres unter dem Motto Achtsamkeit.

Wir haben uns selbst die Frage gestellt, wie wir im Umgang miteinander eine Kultur der Achtsamkeit fördern und behindern. Nun geht es an die Umsetzung!

Wir beim Online-Meditieren …

All‘ das stimmt Sie ebenfalls zuversichtlich und weckt Ihre Neugier, weitere Möglichkeiten zur Kultivierung einer achtsamen Team- und Organisationskultur zu entdecken? Dann würde ich mich freuen, mit Ihnen darüber in den Austausch zu kommen – entweder in einem unserer Seminare oder Kurse zum Thema Achtsamkeit oder auch beim Finden individueller Lösungen für Ihr Unternehmen. Lassen Sie uns gemeinsam den Blick weiten – für eine Achtsamkeit, die über das Individuum hinausgeht.

Seminare

Gesunde Selbstführung II
Mit Entschleunigung zu nachhaltiger Leistungsfähigkeit –
Balance zwischen Belastung und Entlastung


MBSR: Stressbewältigung durch Achtsamkeit
Neue Wege zu innerer Gelassenheit und Positivität entdecken

Ich freue mich auf den persönlichen Austausch mit Ihnen.
sven.lohrey@neuland-partner.de

Dr. Sven Lohrey ist Wirtschaftspsychologe und Trainer, Moderator und Berater bei Neuland Partners for Development and Training. Dort bietet er seit 2018 auch vermehrt Seminare und Kurse zu den Themen Stressbewältigung und gesundem Führen an, in denen Achtsamkeit eine zentrale Rolle spielt. Die Praxis von Achtsamkeit und Meditation begleitet ihn seit 2009 und neben einer täglichen Meditationspraxis verbringt er jedes Jahr mehrere Wochen auf intensiven Retreats. Seine Ausbildung zum zertifizierten MBSR-Trainer absolvierte er am Odenwald-Institut unter der Leitung von Renate Kommert, Yeshe Brost und Gabi Junklewitz.

QUELLEN
(1) Swiss Life Deutschland (2020, 18. November). Gestresstes Deutschland: 80 Prozent der Bevölkerung leiden unter Stress – vor allem Menschen im Gesundheits- und Pflegebereich sind betroffen. https://www.swisslife.de/ueber-swiss-life/presse/pressemitteilungen/newsfeed/2020/11-18.html
(2) Stollberger, J., Las Heras, M., & Rofcanin, Y. (2021). Sharing is caring: The role of compassionate love for sharing coworker work–family support at home to promote partners’ creativity at work. Journal of Applied Psychology. Advance online publication.

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Comments (2)

  • „So wichtig es auch ist, Achtsamkeit zunächst auf der individuellen Ebene zu betrachten, liegt der wahre Schlüssel zu mehr Wohlbefinden, Wachstum und Kreativität für Unternehmen in der Ausweitung von Achtsamkeit auf die Team- und Organisationsebene.„ Diese Betrachtung würde ich gerne ausweiten und die Ebene der Gesellschaft unbedingt mit einbeziehen. Dies auch deshalb, weil Organisationsgrenzen überwunden werden müssen, um Gesellschaften weiter zu entwickeln.

  • Danke für diese wichtige Erweiterung des Fokus auf die Gesellschaft als Ganze. Ich stimme dieser Ausweitung voll und ganz zu! In Führungsstilen wie Servant Leadership, die meiner Meinung nach ebenfalls viel mit gelebter Achtsamkeit zu tun haben, finden wir das Element der Wertschaffung für die Gesellschaft ja auch wieder. Natürlich besteht das Risiko, dass die Diskussion über Achtsamkeit auf der jeweils nächstgrößeren Ebene zunehmend abstrakter wird, aber definitiv nicht weniger relevant. Ich bin gespannt, was wir dazu über die nächsten Jahre erfahren werden!

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