Vom klugen? Umgang mit Komplexität

Vom klugen? Umgang mit Komplexität

Agil managen, Kooperation fördern, Vertrauen schaffen
hat stattgefunden vom 11. bis 12. November 2016 | Fulda

Dokumentation

Videos

Vom klugen? Umgang mit Komplexität – Impulse vom Expertenteam von Neulands Campus 2016
Welche Empfehlungen haben unsere Experten zum Umgang mit Komplexität? Sehen Sie selbst!
 
Vom klugen? Umgang mit Komplexität – Teilnehmerstimmen – Neulands Campus 2016
In diesem Film haben wir einige Teilnehmerstimmen für Sie zusammengestellt.
 
Vom klugen? Umgang mit Komplexität – Neulands Campus das Format
Prof. em. Dr. Theo Wehner und Dr. Stefan Groß unterhalten sich über das Campus-Format und den Umgang mit Komplexität

Impressionen

Neulands Campus
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Expertenteam

Prof. Dr. Ayelt Komus

Prof. Dr. Ayelt Komus

Professor für Organisation und Wirtschaftsinformatik
an der Hochschule Koblenz

„Komplex meint immer zu komplex. Kommen wir in komplexe Situationen, so haben wir das sichere Terrain hinter uns gelassen. Deterministische Formen der Planung und Steuerung versagen; mehr noch, sie sind kontraproduktiv. In komplexen Situationen brauchen wir einen organisatorischen Rahmen, der Experimente erlaubt – und zu experimentieren fordert. Zugleich muss die Vorgehensweise oft anschlussfähig an die etablierten Strukturen sein; außerdem gilt es, die Komplexität der jeweiligen Aufgabe langfristig zu ‚bändigen‘. Wichtig ist: Komplexe Herausforderungen lassen sich nur mit den passenden Werten und Anreizen bewältigen. Diese Anreize und Werte müssen flankiert sein durch geeignete Strukturen. So können wir den Wandel stützen und die Organisation vor dem Abdriften ins Chaos bewahren.”

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Prof. em. Dr. Theo Wehner

Prof. em. Dr. Theo Wehner

Zentrum für Organisations- und Arbeitswissenschaften
ETH Zürich

„Zeichnet sich Komplexität durch Mehrdimensionalität, Emergenz und Interdependenz aus, so führen weder allgemeines noch spezifisches Wissen zur Richtigkeit oder Gewissheit von Handlungen, weder gute Führung noch teure Beratung.
Ist Klugheit – im Sinne angemessenen Handelns – die Tugend aller Tugenden, so hilft sie auch in komplexen Situationen. Dennoch kann sie weder Richtigkeit noch Gewissheit beanspruchen."

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PD Dr. Georg Bauer

PD Dr. Georg Bauer

Leiter, Abteilung Public & Organizational Health
Institut für Epidemiologie, Biostatistik
und Prävention Universität Zürich

„Komplexität verbunden mit Beschleunigung und Verdichtung der Arbeit gefährdet unser Kohärenzerleben und damit unsere Gesundheit. Für Mitarbeiter ist es daher nur gesund, wenn sie die Komplexitätswahrnehmung reduzieren – indem sie sich auf das Wesentliche fokussieren. Aber was, wenn leistungsmaximierende Betriebe und Mitarbeiter dabei die Gesundheit selbst ausblenden? Balancierte mentale Modelle holen Gesundheit wieder auf legitime Weise zurück in die Aufmerksamkeit und bringen sie in den unternehmerischen Diskurs."

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Dr. Stefan Groß

Dr. Stefan Groß

Leiter Moderation, Kooperation, Kommunikation
Neuland Development & Training, Fulda
Projektleiter von Neulands Campus

„Kommunikationsprozesse sind an sich immer komplex. Als Moderator muss ich permanent Entscheidungen unter Unsicherheit treffen – gerade auch in den Phasen, in denen ich selbst nicht spreche, sondern nur zuhöre und beobachte. Dabei gibt es für mich im Grunde zwei zentrale Entscheidungslinien: Die eine verläuft zwischen dem, was ich bewusst explizit mache und was ich im unausgesprochenen Raum des Impliziten belasse. Die andere betrifft die Frage: Interveniere ich steuernd oder lasse ich der Gesprächs- und Gruppendynamik freien Lauf? Dafür brauche ich Gespür für den jeweiligen Gesprächstakt und für die Wirkung meiner Interventionen. So kann ich bewusst Komplexität erhöhen – oder in bestimmten Situationen radikal reduzieren."

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Heiner Brunner

Heiner Brunner

Regionalleiter der Bergwacht Hochland
Leiter des Rettungseinsatzes an der Riesending-Höhle 2014 mit über eintausend Einsatzkräften

„Wir als Einsatzleiter stehen bei Rettungseinsätzen häufig vor einer komplexen Lage mit vielen Unbekannten. Zu Beginn identifizieren wir das größte Problem. Damit blicken wir der Komplexität direkt ins Auge. Dieses größte Problem in aller Deutlichkeit zu erkennen - dies ist erfolgsentscheidend."

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Klemens Reindl

Klemens Reindl

Einsatzleiter der Bergwacht Bayern
Leiter des Rettungseinsatzes an der Riesending-Höhle 2014 mit über eintausend Einsatzkräften

„Wir sind bei Einsätzen der Lage gedanklich immer einen bis drei Schritte voraus: Wir antizipieren Schwierigkeiten und Hemmnisse sehr früh und entwickeln Alternativpläne. Dieses Denken und Planen in Alternativen gibt uns Sicherheit bei unseren Entscheidungen. "

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PD Dr. med. DrPH Georg Bauer

Georg Bauer Beschnitt sw web

Georg Bauer ist Experte für Arbeitsbedingungen, Gesundheit und organisatorische Rahmenbedingungen. Er leitet die Abteilung „Public & Organizational Health“, Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention an der Universität Zürich. Georg Bauer ist Mediziner mit Master und Doktorat in Public Health (School of Public Health Berkeley, University of California). Er habilitierte am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich. Seine Forschungen richten sich auf die Flexibilisierung der Arbeit sowie auf individuelle Strategien zum Job-, Boundary- & Recovery-Crafting. Er leitet die „Global Working Group of Salutogenesis“ sowie das „DAS Work+Health“. Auch ist er Mitgründer von „Corporate Health Solutions“, einem Spin-Off der Universität Zürich, das online Instrumente für die Förderung der Mitarbeitergesundheit anbietet.

 

Beim Thema Komplexität denken wir zumeist an Management und schwierige Unternehmenssteuerung. Im Gegensatz dazu bringen Sie die Komplexität in Verbindung mit Mitarbeitergesundheit – und sehen darin letztlich auch einen Weg, Komplexität zu bewältigen. Allgemein gefragt: Wie wirkt sich Komplexität auf die Gesundheit von Mitarbeitern aus?

Aus Mitarbeitersicht wird Komplexität wahrgenommen als fehlender Überblick bei zunehmend kognitiver, vernetzter Arbeit. Diese Wahrnehmung verstärkt sich durch den schnellen Wandel: den Wandel der eigenen Organisation, deren Produkten und Dienstleistungsangeboten, der Kunden, Kundenbedürfnisse und ähnlichem. Zu der Wahrnehmung, dass die Übersicht fehlt, kommt noch etwas hinzu – nämlich der heute verbreitete Zeit- und Termindruck. Dann gelingt es Mitarbeitern kaum noch sich zu orientieren.

Dieser Mangel an Orientierung – wie wirkt er sich auf die Gesundheit aus?

Eine unserer zentralen Gesundheitsressourcen ist das Kohärenzerleben - die Möglichkeit, unser Leben als verstehbar, handhabbar und sinnhaft wahrzunehmen. Durch den Mangel an Orientierung wird dieses Kohärenzerleben beeinträchtigt.

Wie reagieren Mitarbeiter darauf, wenn sie sich durch Komplexität überfordert fühlen?

Es gibt eine natürliche Reaktion: nämlich die Komplexität zu reduzieren, indem man eine Auswahl von persönlich besonders wichtigen Aspekten und Zusammenhängen trifft. Der Rest wird dann ausgeblendet.

Also eine Art „gesunde Ignoranz“?

Ja. Wobei manche Mitarbeiter der gesunden Ignoranz eine besondere Wendung geben. Sie ignorieren paradoxer Weise ihre Gesundheit. Dies betrifft vor allem Menschen, die von Drang nach beruflicher Selbstverwirklichung getrieben werden – und Mitarbeiter in rein performance-orientierten Unternehmen. Ich denke an die Diskurse um die interessierte Selbstgefährdung und das erschöpfte Selbst.

Das heißt – in komplexen Situationen kann es sein, dass Mitarbeiter ihre Gesundheit ausblenden?

Das Ausblenden von Gesundheit im Betriebsalltag erfolgt sowohl individuell und kollektiv. Eine wichtige Rolle spielen dabei häufig vereinfachende, implizite mentale Modelle zum Funktionieren der Organisation und der Menschen darin.

Was empfehlen Sie?

Man kann bei den mentalen Modellen ansetzen. Es kann hilfreich sein, Unternehmen balanciertere mentale Modelle anzubieten – etwa zu Arbeitsprozessen mit ihren gesundheitlichen sowie betrieblichen Auswirkungen.

Aha? Zum Beispiel?

Ein Beispiel dafür ist das Alltagsmodell der zwei Gesichter der Arbeit – Arbeit als mühsame Last oder als sinnstiftende Lust. Dieses Modell wird übersetzt in ein empirisch getestetes Wirkmodell mit zwei Pfaden: von Arbeitsressourcen welche zu Engagement führen sowie von Arbeitsbelastungen, die Erschöpfung generieren. Dieses Modell können Unternehmen mit Daten zum konkreten Arbeitserleben im eigenen Betrieb anreichern. Dann wird das sonst ganz in die Verantwortung des Individuums übergebene Erleben kollektiv sichtbar.

Kollektiv sichtbar machen – mit welchem Ziel?

Das Unternehmen kann komplexe psychosoziale Faktoren, die sonst jeder Mitarbeiter einzeln bei der Arbeit erlebt, kollektiv erkennen. Damit wird eine gemeinsame Auseinandersetzung und Lösungsentwicklung möglich. Dieser Diskurs führt dazu, dass sich das Unternehmen neue mentale Modelle und Strategien zu Mitarbeitergesundheit aneignet und für den eigenen Bedarf anpasst. Dies wieder führt am Ende möglicherweise zu einem allgemein kompetenteren Umgang mit Komplexität.

Adobe PDF file icon 32x32 Biographie und Interview - Georg Bauer

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